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Kall on tour
8th Mar 2009
Ausnahmezustand

Heute mit:

-          Hitzewelle

-          Blackout

-          Black Saturday

-          Flut

-          Erdbeben

und nebensaechlichen Neuigkeiten

 

Moin,

somit also zum dritten und letzten Teil dieses neuesten Berichts, in dem ich ein wenig von den Neuigkeiten im neuen Jahr erzaehlen will. Nach unserem fantastischen Urlaub ging es arbeitsmaessig bzw. Studienmaessig wieder in die Vollen, mit weiteren Pruefungen und Vorbereitungen fuer Yoko auf ihren im Juli beginnenden Master-Studiengang, sowie einer neuen Saison im Lagerhaus mit etlichen Containern, die uns im Januar angeliefert wurden. Wettermaessig hatten sich die Temperaturen bis Mitte Januar noch sehr zurueckgehalten, aber umso doller schlug dann die Hitzewelle zu (mit einem Spitzenwert von 47,7 Grad Celsius im nicht vorhandenen Schatten!). Schon waehrend der Australian Open stieg das Thermometer ein paar Mal ueber die 40 Grad Marke und einige Tennisstars mussten sich den aeusseren Bedingungen geschlagen geben (wie Vorjahressieger Djokovic). Nach drei Tagen in den 40ern am Stueck ging dann der komplette Westen Melbournes in die Knie, als hitzebedingt, gepaart mit anderen Vorkommnissen, das Stromnetz und damit auch das Verkehrssystem (Strassenbahnen und Zuege, Ampeln etc.) komplett ausfielen. Das waren Szenen an diesem Freitagnachmittag, dem 30. Januar, wie ich sie in einer westlichen Grosstadt wie Melbourne, nicht fuer moeglich gehalten haette. Leute stroemten aus den U-Bahnstationen, da alle Zuege gecancelt wurden, in die Strassen der Innenstadt und versuchten der Hitze per Strassenbahn zu entfliehen. Aber diese fuhren ja teilweise auch nicht, also nur noch die Moeglichkeit mit dem Taxi oder ueberfuellten Bussen vorwaerts zu kommen. Doch auf den Strassen herrschte ebenso Chaos, da die Ampeln nicht funktionierten, und das im Feierabendverkehr. Und wenn man es dann wirklich nach Hause schaffte, konnte man sich natuerlich nicht auf eine klimatisierte Wohnung (kein Strom = natuerlich auch kein Airconditioning!) und ein kuehles Blondes freuen, sondern kaempfte weiter gegen 45 Grad im Schatten (in der Wohnung manchmal mehr, da ueber mehrere Tage aufgeheizt!) und abgetaute Kuehlschraenke. Das riesige Kasino wurde evakuiert, Menschen waren wie gestrandet mitten in der Innenstadt, Leute kippten um, Notdienste waren im Volleinsatz und das Alles an einem Tag ohne groessere (Natur-) Katastrophe, einfach nur ein sehr heisser Tag. Da macht man sich schon so seine Gedanken.

Aber all dies Chaos war nur eine gute Woche spaeter komplett Nebensache, da das Wetter (scheinbar leider kombiniert mit ein paar Brandstifter-Vollidioten) noch ein viel schrecklicheres Szenario heraufbeschwor. Der Black Saturday, am 7. Februar, wird als groesste Buschfeuerkatastrophe in die Geschichtsbuecher Australiens eingehen, denn nie zuvor verloren so viele Menschen im Feuer ihr Leben. Australier kennen die Gefahren von diesen jaehrlich wiederkehrenden Buschfeuern, da das Land sehr trocken und heiss ist und es gibt spezielle Notfallplaene fuer jedermann und spezielle Kurse in den Schulen. Die Leute, die ihr Leben liesen, lebten in Gebieten, wo man sich eines gewissen Feuerrisikos bewusst war, sie waren gewappnet oder schienen es zu sein, da auch vor extremen Wetterbedingungen in allen Medien gewarnt wurde, dennoch hatten sie gegen dieses Inferno keine Chance, zu toedlich war die Kombination aus staubtrockenem Land, einem starken peitschenden Wind und Feuerfronten von mehreren Seiten. Im Gebiet nicht mal eine Autostunde entfernt nordoestlich der City steht fast Nichts mehr. Eine meiner Mitarbeiterinnen hielt uns immer auf dem Laufenden, da sie in der Gegend aufgewachsen ist und dort noch Familie hat. Waehrend ihre Verwandten Glueck im Unglueck hatten, sind Freunde gestorben, Haeuser und ganze Ortschaften nur noch Asche. Wir selbst waren an jenem schwarzen Samstag in einem grossen Einkaufszentum, nicht unbedingt zum Shoppen, sondern der Airconditioning wegen, eine Idee die viele andere Melbournians mit uns teilten. Und auf dem Weg zurueck nach Hause, als es gegen Abend etwas abkuehlte, sahen wir in den merkwuerdig gefaerbten Himmel, um daheim angekommen in den Nachrichten zu erfahren, was geschehen war. Seitdem hat es hier viele tragische, aber auch heldenhafte Stories zu Erzaehlen gegeben. Der Einsatz der Feuerwehrleute und der Bevoelkerung allgemein war absolut vorbildlich, ganz gross!!! Und waehrend hier das Feuerinferno tobte, wurden Teile Queensland ueber Tage und Wochen ueberflutet. Irgendwas scheint dran zu sein am Klimawandel, nicht das Australien frueher keine Ueberschwemmung oder Feuer gehabt haette, die Intensitaet dieser Naturereignisse steigt, besorgniserregend. Mittlerweile ist an allen Fronten Entwarnung gegeben und der Alltag hat uns Alle wieder, zumindest Alle, die nicht unmittelbar betroffen waren, auch wenn es natuerlich weiterhin Gespraechsthema Nr. 1 ist und der Wiederaufbau beginnt.

Nebenbei hatten wir letzte Woche noch ein kleines Erdbeben, nach der Art und Weise „Man Goennt sich ja sonst nix“, wenn auch auf sehr niedrigem Niveau. Ehrlichgesagt dachte ich, unser Nachbar haette mal wieder die Haustuer zu fest zugebatscht, bis ich am naechsten Tag in der Zeitung las, dass dies wohl mein erstes Erdbebenerlebnis war! Und auch der Rest der News ist eher nebensaechlich, aber fuer die Statistik, here we go:

Der Big Day Out 2009 war wieder ein tolles Musikevent mit begeisternden Auftritten von Neil Young, Arctic Monkeys, Eddy Current und vielen mehr. Ebenso gelungen war das erstmalig veranstaltete Soundwave-Festival, bei dem ich Nine Inch Nails, Alice in Chains, Billy Talent und einige Andere geniessen durfte. Die schon erwaehnten Australian Open waren wieder grosser Sport und die Massen stroemten in die Stadt. Nebenbei gab es natuerlich wieder eine Serie von Festivals und Events in und um die Stadt, die hier zur Sommerzeit quasi ueberall aus dem Boden spriesen.

So und nun noch was „Persoenliches“: Wir haben uns nach gruendlicher Abwaegung unserer derzeitigen Situation dazu entschlossen, dieses Jahr NICHT zu Weihnachten nach Deutschland zu kommen. Aber keine Sorge, aufgeschoben ist nicht aufgehoben (die fuenf Dollar, Euro oder Mark fuers Frasenschwein bring ich dann mit, wenn wir wirklich kommen)! Keine Sorgen machen, es ist wirklich Alles bestens und wir Planen mit 2010.

Also, das war’s dann wohl mit diesem Mega-Bericht in drei Teilen, bin froh dass ich das Alles jetzt mal losgeworden bin und wehe irgendeiner fragt die naechsten 14 Tage, wo der naechste Bericht bleibt. Wie gesagt, versuche euch mit kleineren Berichten monatlich auf dem Laufenden zu halten. Wuensche euch Allen noch eine geruhsame Fastenzeit, begeisternden Start in die Bezirksligarueckrunde, einen tollen waermeren Fruehling und Frohe Ostern.

Bis dann.



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Ausnahmezustand


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