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27th Jun 2009 - 4th Jul 2009
Banff - Jasper - Banff - Calgary, Kanada

Von Calgary aus ist es nur noch ein Gophersprung nach Banff. Aus kanadischer Sicht zumindest. Schon die Straße war superschön. Ich bin über die Alte Banff Coach Road gefahren, anstatt den Highway zu benutzen. Schon kurz hinter dem Ortsausgang fangen die Berge der Rocky Mountains an, sich zu türmen. Nach knappen 2 Stunden ist man in Banff. Der Ort selbst ist nicht so spannend (wie oft hab ich das eigentlich schon geschrieben?) aber es ist ein super Ausgangspunkt, um von hier aus Touren zu starten.
Gemeinsam mit Desiree habe ich den Mount Sulphur bezwungen. Anstatt die Gondel zu nehmen, sind wir gemeinsam mit zahlreichen anderen Touris den Zickzackweg gelaufen. Nach etwa 1 ½ Stunden waren wir oben. Toller Ausblick! Zurück ging´s, weil wir (na, zumindest ich) schon ein bisschen schlapp gewesen sind und es nichts gekostet hat, mit der Gondel.
Am nächsten Tag sind wir gemeinsam mit Paul zum Lake Louise gefahren. Paul ist schon seit einer Weile hier und kennt die Gegend ziemlich gut. Nach einem kurzen Stück auf dem Highway sind wir von der Autobahn runter gefahren und auf der etwa 20 km langen Landstraße weiter zum See Luise. Ab hier gibt es Wildlife meinte Paul, als wir vom Highway abgefahren sind und genau so war es auch, keine Minute später lief ein paar hundert Meter vor uns ein Schwarzbär über die Straße. Einfach so. Als wäre es das selbstverständlichste auf der Welt für diesen Bären.
Ich war so von den Socken, dass ich zu lange gezögert habe. Bis ich meine Kamera endlich parat hatte, war von dem Bären kaum mehr etwas zu sehen. So unerwartet wie er kam, so unerwartet ist er auch wieder im kanadischen Unterholz verschwunden.
Da wir wirklich auf Anhieb einen Bären gefunden hatten, oder hatte der Bär uns gefunden?, habe ich gedacht, es würde wahrscheinlich nicht lange dauern, bis wir den nächsten Bären aufstöbern. Ab jetzt konnte ich meinen Blick gar nicht mehr von der Landschaft lösen, die uns umgab. Überall und jederzeit konnte der nächste Bär auf uns warten. Dem war aber leider nicht so.
Wir haben eine Menge Tiere gesehen, schaut euch am besten die Fotos an. Aber leider keinen Bären.
Am Lake Louise angekommen haben wir wieder eine kleine Wanderung gemacht. Nichts besonders anstrengendes und auch nicht besonders weit. Dafür aber mit zahlreichen anderen Touristen.
Auf dem Rückweg nach Banff haben wir immer wieder angehalten, um einen Blick auf die Bahnschienen zu werfen, die parallel zur Landstraße verliefen. Das hatten wir auf dem Hinweg auch schon erfolglos getan. Paul meinte, dort hätte er bis jetzt immer Bären gesehen. Die Züge die hier regelmäßig passieren, haben oft Korn geladen und durch das Gerüttel der Waggons fällt davon immer etwas auf die Gleise. Die Bären kommen dann und essen, was die Güterzüge an Getreide verloren haben. Leider lag kein Getreide auf den Gleisen und folglich gab es auch keine Bären zu sehen.
Wir sind immer alle 3 ausgestiegen und haben uns vorsichtig bis zu den Gleisen vorgetastet. Einmal ist Desiree nicht ausgestiegen und Paul und ich haben uns überlegt, sie zu veräppeln und so zu tun, als ob da ein Bär auf den Gleisen sitzen würde. Hat natürlich funktioniert. Als wir angefangen haben uns sonderbar zu verhalten und wie verrückt zu fotografieren ist sie sofort gekommen. Prima Scherz. Michi Witz, würde der Checker jetzt sagen. Wir fanden es auf jeden Fall lustig. Wie auch immer. Beim nächsten Mal hatte ich auch keine Lust mehr auszusteigen. Es hatte eh keinen Sinn. Paul war nur 2 Minuten weg und kam dann total aufgeregt zurück.
„Da vorne ist einer. Da vorne sitzt ein Grissly auf den Schienen. Gleich da vorne.“
Paul war wirklich total aufgeregt. Guter Schauspieler, hab ich gedacht. Aber den gleichen Scherz zweimal hintereinander? Auch nicht wirklich komisch.
Paul hat sich hinters Steuer gesetzt und ist ein paar Meter weiter gefahren. Desiree und ich haben uns angeguckt und die Augen verdreht.
Tja und was soll ich euch sagen, nach vielleicht 30 oder 40 Metern gucke ich nach rechts in den Wald und in vielleicht 20 Meter Entfernung sitzt da tatsächlich ein Grizzlybär Bär auf den Schienen. Ganz entspannt.
Paul ist immer noch total aufgeregt, greift sich seine Kamera, springt aus dem Auto und knallt die Autotür zu. In dem Moment schaut der Grizzly von seiner Suche nach Futter auf und genau zu uns rüber. Während dessen verschwindet Paul im Wald, Desiree ihm hinterher und ich lehne mich aus der Tür des Autos und drücke ein paar mal auf den Auslöser.
Der Bär guckt noch einen kurzen Moment zu uns, denkt sich vielleicht, man, sind die blöd so einen Lärm zu machen, dreht sich um und geht ganz langsam zurück in den Wald auf der anderen Seite der Gleise und damit weg von uns. Weg. Der Bär ist verschwunden. Aber immerhin, für einen ganz kurzen Moment habe ich dem Grizzly direkt in die Augen gesehen. Life und in Farbe. Ohne Gitterstäbe und ohne Graben zwischen uns.
Das war cool.

Bei der Gelegenheit muss ich mal eine Geschichte zum Besten geben die der Gregor mir erzählt hat.
Er ist mit seiner Freundin der Mize in Kanada im Wald spazieren gegangen. Anschließend kommt er zurück zu dem Haus seiner Kanadischen Verwandten und erzählt, dass es total faszinierend im Wald gewesen sei. Normalerweise würde man ja immer einen Haufen Geräusche im Wald hören. Vor allem Vogelgezwitscher, Grillen, oder was auch immer. Diesmal wäre es aber total still im Wald gewesen. Nichts zu hören. Gar nichts. Nicht mal den kleinsten Laut hätten die Beiden gehört. Daraufhin meinte sein Onkel:
„Gregor, weißt du nicht, was es bedeutet, wenn es im Wald ganz still ist?“
„Nee“, antwortete Gregor, der ja in der Großstadt Bonn aufgewachsen ist und vom Kanadischen Waldleben keine Ahnung hat.
Dann ließ sein Onkel eine lange Pause folgen bis er schließlich sagte:
„Ein großes Tier ist auf der Jagt!“

Jetzt konnten wir wieder zurück nach Banff fahren. Wir hatten einen Bären gesehen. Wow.
Abends sind wir dann noch in der Nähe des Golfplatzes in Banff spazieren gegangen. Dort habe ich einen Kojoten gesehen. Ich glaube zumindest das es einer war. Wenn nicht, dann war es ein Wolf. Die soll es hier nämlich auch geben.
Bei diesem Spaziergang sind wir einen kleinen Hügel raufgestiegen und natürlich anschließend wieder runter. Nichts großes, vielleicht 30 Meter hoch. Ich erwähne es, weil ich beim Abstieg dieses kleinen Berges richtig ordentliche Knieschmerzen bekommen habe. Davon hatte ich ja vor kurzem schon mal geschrieben. Gleich nach meiner Weltreise, bin ich eine Woche zu Hause, renoviere meine beiden Zimmer, räume alles wieder ein und danach gehe ich mit den Pussys nach Frankreich um dort eine Woche zu wandern. Und dort wird es den ganzen Tag rauf und runter gehen. Eine Woche lang. Ich mache mir gerade echt Sorgen, ob ich dem mit meinem blöden Knie gewachsen bin. Beim Fahrradfahren hab ich dieses Problem schon seit Jahren aber noch nie beim Laufen. Ich hoffe, dass es geht. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Von Banff aus habe ich mich einen Tag später auf den Weg nach Jasper gemacht. Genau wie in Banff gibt es auch hier einen Nationalpark durch den man mit dem Auto fahren kann. Überall gibt es Wasserfälle, Seen, Flüsse und natürlich tolle Ausblicke auf die Rockies zu genießen. Echt tolle Wasserfälle, einer schöner als der andere. Aber am Ende des Tages konnte ich keine Wasserfälle mehr sehen.
Auf meinem Weg nach Jasper bin ich am Columbia Icefield vorbeigekommen. Das ist ein Gletscher, der fast bis an die Straße reicht. Vor einigen Jahren noch hat er wirklich bis an die Straße gereicht. Überall sind Tafeln aufgestellt, bis wohin der Gletscher zu welcher Zeit gereicht hat. Im Laufe von ein paar Jahrzehnten hat er sich um einige hundert Meter zurückgezogen.
Man kann sogar Touren auf den Gletscher machen. Entweder geführte Touren zu Fuß oder mit diesen riesigen Icefield Explorer Fahrzeugen. Man sind die groß. Ich habe beides nicht gemacht. Schließlich war ich vor ein paar Monaten erst in Neuseeland auf einem Gletscher. Der schöne Ausblick auf den Gletscher bei strahlender Sonne hat mir gereicht. So hab ich mich also bei einem Tee ins Restaurant des Icefield Informationscenters gesetzt und mein Buch: Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ zu Ende gelesen. (Was man so an Büchern in den Bibliotheken der Hostels findet ist schon erstaunlich!) Nach etwa 1 ½ Stunden, ich hatte gerade das Nachwort gelesen, fällt mein Blick aus dem Fenster und wo vor kurzer Zeit noch die Sonne geschienen hatte, war jetzt ein unglaublicher Schneesturm am Toben. Darf ich daran erinnern, das es Anfang Juli war. Und so hoch ist dieser Pass zwischen Banff und Jasper auch wieder nicht. Der Schnee ist zwar nicht liegen geblieben aber immerhin, echter Schnee mit dicken fetten Flocken. Eine Stunde lang hat es wie verrückt geschneit.
Spätestens der Schnee hat mir die Entscheidung zwischen Zelt und Hostel abgenommen.
Ich war froh, dass ich im fast ausgebuchten und einzigen Hostel in Jasper noch ein freies Bett ergattern konnte. In meinem Zelt wollte ich nicht schlafen, brrr, viel zu kalt. Da hätten auch die beiden superdicken Schlafsäcke die Bo mir noch mitgegeben hat, nicht mehr gereicht.

Schon seit einiger Zeit hat der Golf seltsame Geräusche von sich gegeben. Vor allem beim Rückwärtsfahren. Immer wenn ich den Rückwärtsgang eingelegt habe, habe ich gedacht, gleich fällt das Auto auseinander. Ist es aber zum Glück nicht. Es hat völlig Problemlos durchgehalten. Allerdings haben Boris und ich beim Einbau des Kugelgelenks den „Radwinkel“ etwas verstellt. Der Reifen stand somit etwas schräg und hat sich auf einer Seite total abgefahren. Bereits in Jasper hatte ich den rechten Vorderreifen in einen Slick verwandelt. In einen Reifen fast ohne Profil. Ich war echt gespannt, ob mich dieser Reifen wieder bis zu Boris zurückbringen würde.

Auf dem Rückweg nach Banff habe ich fast keine Stopps mehr eingelegt. Mittlerweile hatte ich alles gesehen, was es hier zu sehen gab. In Banff hab ich nochmal eine Nacht in meinem Hostel geschlafen und am nächsten Tag hab ich mich auf den Weg nach Calgary gemacht. Dort hatte nämlich einen Tag zuvor das vermutlich größte Kanadische Outdoorereignis seine Pforten geöffnet. Das Calgary Stampede. Eine der größten Rodeoshows der Welt. Also, hab ich mir gedacht, wenn ich zu dieser Zeit schon in der Gegend bin, dann sollte ich mir das auf keinen Fall entgehen lassen.

Über Couchsurfing hatte ich mir auch schon eine Unterkunft organisiert. Bei Peter, einem Kanadier der gemeinsam mit einigen Freunden ein mega luxuriöses Haus gemietet hat. Ich war echt überrascht als ich gesehen habe, was für ein cooles Haus das war. Mit einem großen Indoorswimmingpool, Sauna und einem genialen riesigen Snooker Billardtisch.
Einer seiner Mitbewohner hatte an diesem Abend spontan eine kleine Grillparty organisiert und Peter hatte mir schon gesagt, dass er abends noch zu dem Geburtstag einer Freundin gehen wollte, zu dem ich ihn gerne begleiten könnte. Das habe ich natürlich gemacht. So habe ich also an diesem Abend nicht nur die Leute aus seiner WG kennen gelernt, sondern auch noch andere Freunde von Peter mit denen wir den Geburtstag in einer Bar gefeiert haben. Ich hab viel getanzt und mich prächtig amüsiert.
Ehrlich, Couchsurfing ist die beste Erfindung seit es das Internet gibt. Niemals hätte ich in so kurzer Zeit so viele Leute kennen lernen können und so schnell in eine Stadt „eintauchen“ können, die mir total fremd ist.
Am nächsten Morgen hab ich mich auf den Weg zum Stampede gemacht. Einen Cowboyhut hatte ich mir schon am Tag vorher in der Stadt besorgt. Den braucht man auf jeden Fall. So einen Hut trägt hier fast jeder. Es ist ein bisschen so wie Karneval in Köln. Alle sind verkleidet. Nur, dass hier alle als Cowboys und Cowgirls gehen müssen.
Das Stampede war total super. Ich meine wenn Nordamerika irgendeine Kultur hat, insofern man in diesem Fall überhaupt von Kultur sprechen kann, dann doch die Cowboy-, Rodeo-, Reit- und so weiter Kultur, oder?
Das war also das Amerika, das wir alle aus den Western kennen. Das Amerika in dem die harten Jungs die sogenannten Rednecks auf ihren Pferden sitzen und Kühe eintreiben, Kälber mit dem Lasso fangen, wilde Pferde einreiten, Wagenrennen bestreiten und überhaupt die coolsten Wesen der nördlichen Hämisphere sind.

Am nächsten Morgen war ich gemeinsam mit ein paar Freunden von Peter und Franz einem weiteren Couchsurfer auf einem der klassischen kostenlosen Stampede Breakfasts die es überall in der Stadt verteilt während des Stampede gibt. Dort kann man sich dann mit Pancakes und Sausages abfüllen, bis nichts mehr reinpasst. Pfannkuchen und Würstchen. Was für eine Kombination. Dazu gibt es selbstverständlich Ahornsirup. Wir sind ja schließlich in Kanada dem Land des roten Ahornblattes. Dieses Frühstück ist keineswegs ungewöhnlich. Bei Boris in der Gemeinde habe ich es schon zwei Wochen vorher gegessen und es war sogar ganz lecker. Nicht umwerfend aber auch nicht so seltsam, wie es vielleicht klingt. Pfannkuchen, Würstchen und Sirup. Wer denkt sich denn bitte so etwas aus? Soviel nochmal zum Thema nordamerikanische Kultur. Ich meine die Burger hier, solange man sich nicht bei Mc Donalds isst, sind echt wahnsinnig lecker. Ich liebe Hamburger. Aber das reicht einfach nicht aus. um das Wort Esskultur und Nordamerika in einem Satz zu benutzen. Deshalb habe ich nach aus auch einen Punkt gesetzt. So, damit ist das auch mal gesagt.
Einen Tag bin ich noch bei Peter in der WG geblieben und dann hab ich mich wieder auf den Weg zu Boris gemacht. Quietsch. Hoffentlich hält der Reifen durch, hab ich ein paar mal gedacht. Wenn es Regnen würde während der Fahrt, dann hab ich vielleicht bessere Chancen, dass er nicht völlig kaputt geht, war meine Überlegung. Aber in dieser Region regnet es ja nicht so viel. Darauf zu hoffen war sinnlos.
Dachte ich, aber es kommt ja immer anders, als man denkt. Es hat tatsächlich 500 km lang geregnet. Die letzten 20 Minuten nach Consul, war es halbwegs trocken. Der Reifen hat tatsächlich durchgehalten. Aber die Fahrt war der reinste Horror. Das Wort Aquaplanig hat für mich eine neue Dimension bekommen. Ich bin mehr nach Hause geschwommen, als gefahren. Sobald ich über 70 km/h gefahren bin, konnte ich nicht mehr lenken. Die Male, die ich fast im Graben gelandet bin, konnte ich schon nach einer Stunde nicht mehr zählen. Und wenn mich ein Laster überholt hat, dann gab es zum Aquaplanig auch noch einen Blindflug geschenkt, weil diese ewig langen Lkw hier mehr Reifen haben, als Tausendfüßler Beine. Und so viele Reifen schleudern einiges an Spritzwasser auf. Für einen Moment musste ich mich dann ganz auf das Display meines Navigationssystems verlassen, welches Russ mir mitgegeben hatte, aus dem Fenster sehen konnte ich auf jeden Fall nichts mehr. Aber ich will mich nicht beschweren. Ich bin heil angekommen und ich bin Boris total dankbar, dass er mir sein Auto geliehen hat. Sonst hätte ich mir nämlich eins bei mieten müssen und das wäre ganz schön teuer geworden. Unterm Strich hat ja alles super geklappt. Es war ein total schöner und interessanter Ausflug in Kanadas Rockies.
Und meinen Cowboyhut, den hab ich übrigens noch. Auch wenn er schon an zig Stellen kaputt ist. Vielleicht wird das ja mein Kanada Andenken. Mal sehen...

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