Michaels Global Trek
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Rückkehr Das Jahr ist zu Ende. Vorbei. Kaum zu glauben. Schien es doch am Anfang so lang zu sein, dass das Ende außerhalb meiner Sichtweite lag. Was hatte ich nochmal ganz am Anfang geschrieben? Etwa 400 Tage, oder knapp 60 Wochen lagen vor mir. Wie eine lange Schnur oder ein Faden der sich einmal um die Erde gewickelt hatte und dem ich folgen wollte. Noch wusste ich nicht, wo dieser Faden überall lag und wo sein Weg mich hinführen würde. Aber vom ersten Tag an bin ich ihn abgeschritten, abgefahren und natürlich auch abgeflogen. Bis zum 17. 07. 2009 Das war der erste Tag, an dem ich wieder Arbeiten musste. Der Tag, der zu Beginn meiner Reise so weit weg zu sein schien, dass ich fast vergessen hatte, dass dieser Faden der da lag irgendwann enden musste. Ich bin schon sehr traurig gewesen, als ich in Vancouver in das Flugzeug gestiegen bin, welches mich wieder zurück nach Frankfurt bringen sollte. Okay, so fühlt es sich also an, wenn ein Traum zu Ende geht. Jetzt wusste ich es. Das ist, wie wenn man ins Kino geht und dort einen ganz tollen Film sieht. Vielleicht ein Film, auf den man sich schon sehr lange gefreut hat. Das Licht im Kinosaal geht aus und nach der Werbung fängt der Film an, der dich irgendwie „in sich rein zieht“. Wenn ein Film richtig gut ist, dann wird man quasi in die Leinwand gezoomt; du realisierst nicht mehr, dass du auf einem Kinostuhl sitzt und du hast alles um dich herum vergessen. Und dann, der Film hat eigentlich gerade erst angefangen, da geht das Licht auch schon wieder an und der Film ist vorbei. Wie schon vorbei? Das gibt’s doch gar nicht! Ja, ich konnte es gar nicht glauben, dass es tatsächlich vorbei war. Zumindest fast vorbei. Ein 3-wöchiges Polster hatte ich mir an das Ende meiner Reise gelegt. Das sollte mich ein wenig abfedern und mir den Wiedereintritt ins richtige Leben etwas erleichtern. Aber zurück zu meinem Rückflug. Gegen Mittag bin ich nach einer kurzen Nacht, eigentlich gar keiner Nacht (es wurde nämlich wegen des Mittsommers nicht dunkel auf dem Heimflug) in Frankfurt gelandet und dort hat Henry, ein guter Freund von mir, auf mich gewartet. Da er es an diesem Tag nicht geschafft hatte nach Bonn zu fahren, hatte er sich überlegt, mich auf einen Kaffee am Frankfurter Flughafen zu treffen. Super Idee. Es war schon etwas komisch und gewöhnungsbedürftig, bei Starbucks am Frankfurter Flughafen etwas auf Deutsch zu bestellen. Ich hatte mich so daran gewöhnt, Englisch oder Spanisch zu sprechen, dass ich mir dabei irgendwie komisch vorkam einen Kaffee „Grande“ für Henry auf Deutsch zu bestellen. Ich wusste nicht mal, wie ich es aussprechen sollte. Was ist das überhaupt für ein komisches Wort. Es soll wohl groß heißen. Aber warum heißt er dann nicht: Kaffee - groß. Gut, dann bekommt er halt einen kleinen Kaffee habe ich mir gedacht. „Einen kleinen Kaffe bitte!“ „Klein, gibt’s hier nicht!“ „Wie, klein gibt’s nicht. Ich hätte gerne einen kleinen Kaffee.“ „Bei uns heißt der kleine Kaffee „tall“ - also „groß“. „Na geht doch, dann einen großen Kaffe bitte!“ „Was meinen sie denn jetzt? Tall oder Grande? Okay, kann ich auch ne Cola bekommen? „Klar“ „Super, dann eine Cola bitte!“ „Tall oder Grande?“ So oder so ähnlich hat es sich also abgespielt bei Starbucks in Deutschland. Ich war kurz davor mein „ohneWörterWörterbuch“ auspacken und damit zu Bestellen. Da sind so keine Bilder drin, wenn man mal irgendwo ist, wo die Verständigung sehr schwierig ist, dann kann man sich mit den Bildern behelfen und einfach auf die entsprechende Abbildung zeigen. Das Buch hatte ich übrigens gleich zweimal vor meiner Abreise geschenkt bekommen! Habt ihr wirklich geglaubt, dass ich mich nicht verständigen kann? Übrigens hab ich das Buch nie gebraucht auf meiner Reise. Zumindest bis ich in Frankfurt einen Kaffee bestellen wollte. Es hat dann aber auch so geklappt. Logisch, als alter Weltenbummler, sollte sowas ja auch kein Problem darstellen. Nach etwa einer Stunde hat Henry sich wieder auf den Weg nach Heilbronn gemacht und ich bin in den Zug nach Siegburg gestiegen. Dort hat mich Sandra abgeholt. Hab ich schon mal erzählt, dass ich es mag, wenn sich Kreise schließen? So wie ich ein Jahr zuvor abgeflogen bin, so bin ich auch wieder angekommen. Henry hatte mich bei meiner Abreise auch schon am Flughafen in Frankfurt verabschiedet und Sandra, ihr könnt es euch vielleicht schon denken hat mich ein Jahr zuvor nach Siegburg zum Bahnhof gefahren. Dort hat sie mich jetzt wieder abgeholt und nach Hause gebracht. Aber keine Zeit zum Ausruhen. Kaum war ich in meinen 4 Wänden angekommen, da ging es auch schon wieder los zur Harmonie. Dort hatte ich am Abend bevor ich mich auf den Weg gemacht habe, meine Freunde verabschiedet. Wie ich schon sagte, ich mag es, wenn Kreise sich schließen. Es war also selbstredend, dass ich genau dorthin meine Freunde wieder eingeladen habe, um sie nach meiner Reise wieder zu begrüßen. War das schön, alle (euch alle) wieder zu sehen. Wie sehr ich mich gefreut habe, habt ihr mir sicherlich ansehen können. Es gibt wirklich eine Menge Dinge, auf die ich problemlos für sehr sehr lange verzichten könnte. Aber wie wichtig mir meine Familie und meine Freunde sind, habe ich vor allem gemerkt, als ich sie nicht da waren, oder vielmehr als ich nicht da war. Das war ein ganz toller Abend und ich habe ihn sichtlich genossen. Schön, dass ihr alle da gewesen seit. Vielen Dank! Aber wo ich gerade von Dank sprechen. Mindestens genauso möchte ich mich bei allen bedanken, die immer wieder in diesen Blog geschaut haben. Alle die sich die Bilder angeguckt haben, die ich gemacht habe und vor allem allen, die all das gelesen haben, was ich in diesem Jahr so geschrieben habe. Und das war eine ganze Menge. Hätte mir vorher jemand gesagt, dass ich das tun werde, hätte ich es nicht geglaubt. Und jetzt habe ich tatsächlich so viel geschrieben, dass es zumindest vom Umfang einem Taschenbuch entspricht. Wow. Damit hätte ich wirklich nicht gerechnet; so schreibfaul wie ich immer gewesen bin. Aber es hat mir auch total viel Spaß gemacht. Und ich glaube nicht, dass damit durchgehalten hätte, wenn ihr nicht so regelmäßig gelesen hättet. Das freut mich wirklich sehr. Nachdem ich etwa eine Woche wieder in Deutschland gewesen bin, hab ich mich schon wieder auf den Weg gemacht. Diesmal ging es mit meinen Wanderjungs, den Pussys, nach Frankreich, in die Schlucht von Verdon. 6 Tage sind wir durch eine sagenhaft schön Landschaft gewandert. Ich habe ja schon mal geschrieben, dass ich nach langen Flügen immer das Gefühl habe, mein Körper landet vor meinem Geist. Ich bin mir nicht sicher, ob das in diesem Fall auch so gewesen ist, da ich mich ja bereits seit einiger Zeit damit auseinander gesetzt habe, wieder nach Hause zu kommen. Aber spätestens nachdem ich eine Woche in Frankreich wandern war, bin ich ganz sicher wieder angekommen. Und jetzt kommt es mir ein bisschen so vor, als hätte die Zeit hier still gestanden. Fast alles ist noch genauso wie vor meiner Reise. Es fühlt sich so an, als hätte meine Welt sich weitergedreht und hier wäre sie einfach stehen geblieben. Ein bisschen zumindest. Klar weiß ich, dass das nicht so ist. Natürlich. Ich sehe ja auch, dass sich einiges verändert hat. Einige meiner Freunde haben plötzlich ein Kind oder ein Kind mehr als vorher, manche haben sich von ihrem Partner getrennt und andere haben jetzt einen neuen Partner, es gibt ein paar neue Geschäfte in den Straßen, andere sind dafür verschwunden und so weiter, Karina und Roland sind seit ein paar Monaten meine Nachbarn und ich habe eine neue sehr nette Mitbewohnerin die Jenny heißt. Aber das meine ich nicht. Ich bin zurückgekommen in meine vertraute Umgebung in der ich ohne Stadtplan nach Hause und zum Bahnhof finde. Ich weiß wo mein Bäcker ist, der nächste Supermarkt und wie ich ins Stadtzentrum komme. Wenn ich einkaufen gehe, dann sehe ich bekannte Gesichter und irgendwie scheint es, als wäre hier in diesem Jahr nicht so viel passiert. Vermutlich hat sich die Welt auch hier weitergedreht, aber eben nicht so schnell. Interessant ist es, was mir meine Freunde und Bekannte für Fragen über meine Reise stellen. Ich könnte jetzt so was wie eine Top Ten, der meist gestellten Fragen aufstellen. Das war schon während meiner Reise so, wenn ich erzählt habe, wie lange ich unterwegs bin, haben die Leute mir immer wieder die gleichen Fragen gestellt. Die am häufigsten gestellten Fragen hab ich mal zusammen gestellt: Wo warst du überall und wo hat es dir am besten gefallen? In welches Land würdest du am liebsten zurückkehren? Wo ist das Essen am leckersten? Bist du unterwegs krank gewesen oder hast du dir mal den Magen verdorben? Ist dir etwas geklaut worden oder bist du mal überfallen oder ausgeraubt worden? Wenn ich dann aber gesagt habe, dass mir diese Fragen fast immer gestellt werden und dass ich mir am liebsten ein Schild um den Hals hängen würde mit den Antworten auf eben diese Frage, dann folgte häufig eine kurze Pause und dann kamen die guten Fragen! Zum Beispiel: Hast du mal irgendwo Angst gehabt? Was hast du während deiner Reise vermisst? Bis du manchmal einsam gewesen? (Dazu sag ich gleich noch was!) Was war dein skurrilstes Erlebnis! Was würdest du anders machen, wenn du die Reise nochmal machen könntest? Und so weiter... Zu diesen Fragen könnte ich jetzt eine Menge schreiben. Ich beschränke mich aber mal auf die Frage mit der Einsamkeit. „Du reist alleine, ganz alleine? - Das würde ich nie machen!“ sagen viele. Warum eigentlich? Wie ist das denn alleine zu reisen, und wie fühlt es sich an? Eine Reise die man alleine unternimmt ist auch ein bisschen eine Reise zu sich selbst! Wie ihr ja gesehen oder besser gelesen habt, bin ich nicht so sehr viel alleine gewesen. Meist habe ich schnell Leute kennen gelernt und etwas mit anderen unternommen. Wie so eine Reise nun ganz alleine wäre, kann ich nicht sagen. Ein Jahr lang ganz alleine sein, könnte ich auch nicht. Sicher nicht. Aber so wie ich reise, bin ich ja oft genug in Gesellschaft. Was aber nicht heißt, dass ich nicht auch von Zeit zu Zeit ganz auf mich gestellt war. Und das war auch gut so. Ich glaube, wenn man sich irgendwie weiter entwickeln will, dann muss man auch Zeit alleine verbringen. In Gesellschaft kann man zwar gute Gespräche führen und vielleicht auch an sich arbeiten aber so richtig weiterentwickeln kann man sich glaube ich nur, indem man sich mit sich selbst beschäftigt. Sich selber zuhört und in sich selbst „hinein hört“. Alleine sein fühlt sich auch nicht immer gleich an. Oft fühlt man sich total gut und ist glücklich mit sich selbst. Dann ist alleine sein das größte auf der Welt. Viele meiner schönsten Momente hatte ich, als ich alleine gewesen bin. Manchmal fühlt es sich aber auch an, als würde man in einer kleinen Nussschale alleine auf dem Meer treiben. Ich persönlich glaube, es ist viel schwieriger alleine zu wohnen, als alleine zu reisen. Ich hätte keinen Spaß am alleine Wohnen. Das hab ich schon mal gemacht, als ich 20 war. Mir ist ständig die Decke auf den Kopf gefallen. Ich musste immer unter Menschen sein und war ständig unterwegs. Ne, alleine wohnen, das ist nichts für mich. Und wenn man dann doch alleine wohnt, dann will man doch nicht noch zu allem Überfluss alleine reisen. Ist alleine Wohnen nicht schon genug alleine? Aber meine Lieblingsfrage hat mir schon vor einiger Zeit die Andrea gestellt: Was hat die Reise mit dir gemacht? Jetzt war ich es, der erstmal eine Pause einlegen musste. Eine lange Pause, denn die Antwort auf eine solche Frage war nicht so leicht. Um ehrlich zu sein, stelle ich mir diese Frage auch heute noch regelmäßig. Was die Reise mit mir gemacht hat? Hat sie überhaupt etwas mit mir gemacht? Bin ich noch der gleiche Michael, der 12 Monate zuvor in Frankfurt in den Flieger gestiegen ist? Über diese Frage hab ich lange nachgedacht. Wirklich lange. Das war eine gute Frage! Ich denke schon, ich glaube die Zeit hat mich verändert. Natürlich bin ich noch der gleiche Michael, aber eben auch nicht mehr genau der gleiche. Wie das so ist, man verändert sich doch laufend, ein bisschen zumindest. Wenn man sich nicht mehr verändert, dann ich man tot, oder? Ich hoffe, dass ich mich weiterentwickelt habe auch, wenn ich mich gerne mal umdrehe und in die Vergangenheit gucke. Ich drehe mich sehr gerne um und erinnere mich an die Zeit die hinter mir liegt. Aber vor allem gucke ich nach vorne und darauf, wie es weitergeht und wohin ich als nächstes reisen könnte. Und wenn ich das mache, vielleicht schreibe ich dann auch wieder Tagebuch. Mal sehen...
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